Geschichte und Gegenwart

Genossenschaftsidee findet als Weltkulturerbe weltweit Anerkennung

Banken, Dienstleistungen und natürlich der Wohnungsbau – in fast allen Branchen gibt es Genossenschaften. Was im 19. Jahrhundert in Sachsen und Rheinland-Pfalz seinen Ursprung nahm, hat mittlerweile einen Siegeszug um den Erdball angetreten. Heute sind weltweit etwa 700 Millionen Menschen Mitglieder einer Genossenschaft. Das war 1847 längst nicht absehbar. Friedrich Wilhelm Raiffeisen wollte damals lediglich der Landbevölkerung helfen, günstig Baugrund und Saatgut zu beschaffen. Für Hermann Schulze-Delitzsch standen zur selben Zeit vor allem die Handwerker im Fokus. Beide Männer folgten dem Credo „Einer für alle – alle für einen.“ Denn durch die Gemeinschaft wurde beispielsweise die Anschaffung von Landmaschinen oder die Gewährung von Krediten möglich. Auch wenn die konkreten Ziele heute andere sind: Der Grundgedanke ist derselbe geblieben. Wenn Sie Mitglied einer Wohnungsgenossenschaft werden, hinterlegen Sie zu Beginn eine Genossenschaftseinlage. Gemeinsam mit den Einlagen der weiteren Mitglieder verfügen wir dann über die Möglichkeiten, Wohnraum in Ihrem Sinne zu gestalten – preiswert und hochwertig, losgelöst vom reinen Profitstreben.

Diese Grundprinzipien gelten auch für eine Vielzahl weiterer Genossenschaften in unterschiedlichsten Branchen. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftliche Unternehmungen. Mehr als 2.000 davon sind Wohnungsgenossenschaften. Doch auch in Branchen, in denen man es zunächst weniger vermuten würde, floriert der genossenschaftliche Gedanke: Wussten Sie etwa, dass das große EDV-Unternehmen Datev eG eine Genossenschaft ist? Insbesondere nach der jüngsten Finanzkrise wurde klar, dass genau dieses Prinzip stärker gefördert werden muss. Inzwischen wurde daher bei den Vereinten Nationen beantragt, die Genossenschaftsidee als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe zu würdigen. Prominente Unterstützer dieses Vorhabens sind der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und Papst Franziskus. Beide sehen in Genossenschaften ein Mittel zur weltweiten Hungerbekämpfung, zu wirtschaftlichem Wohlstand und sozialem Ausgleich.